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Asset Backed Securitis

Erschließung neuer Finanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt

Die Einführung neuer Richtlinien zur Eigenkapitalunterlegung im Kreditgewerbe (Basel II) und hohe Kreditausfälle in der Vergangenheit führten zu einer risikogerechten Kalkulation in der Praxis der Kreditvergabe. Anhaltende Fusionen im Finanzdienstleistungssektor, Änderungen in der Geschäftsstrategie einzelner Institute sowie Änderungen im regulatorischen Umfeld erschweren die Finanzierung von Mittelstand und Industrie zusätzlich. In einem schwierigen Umfeld zählt die Sicherstellung der Unternehmensfinanzierung somit zu den zentralen Herausforderungen für die Geschäfts- bzw. Finanzleitung. Es gilt, bestehende Finanzierungsmittel bzw. -linien durch eine proaktive Finanzkommunikation und einen aktiv gestalteten Ratingprozess zu sichern. Gleichfalls gilt es aber auch, neue Finanzierungswege zu suchen und diese auch konsequent zu nuten.

Asset-Backed Securities (ABS) sind ein bereits in vielen Ländern weit verbreitetes Instrument für die alternative Finanzierung des Unternehmens. Neben der reinen Finanzierungsfunktion eignet sich die ABS-gestützte Finanzierung insbesondere für die bilanzschonende Finanzierung des Unternehmenswachstums. Diese Finanzierungsform eröffnet somit einen strategischen Handlungsspielraum im Unternehmen. Zusammengefasst handelt es sich bei einer ABS Transaktion in den Segmenten Mittelstand und Industrie um die Finanzierung von Forderungsbeständen durch Verbriefung und Refinanzierung am Kapitalmarkt. Nun waren derartige Finanzierungsmöglichkeiten seither den großen Unternehmen vorbehalten, die über ein entsprechendes Volumen verfügen. Verschiedene Anbieter bieten mittlerweile sogenannte "Multi- Seller-Programme". Diese Finanzierungsform ermöglicht somit auch den mittelständischen Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt.

Wie funktioniert eine ABS-Transaktion? Im Rahmen einer ABS-Transaktionen (siehe Abbildung 1) verkauft eine Bank oder ein Unternehmen, hier das Unternehmen (Verkäufer oder Originator genannt), ein Forderungsportfolio an eine eigens für die Transaktion eingerichtete Finanzierungs- bzw. Zweckgesellschaft (sogenanntes SPV / Special Purpose Vehicle). Auf der Basis der an die Zweckgesellschaft veräußerten Forderungsbestände erfolgt sodann die Finanzierung. Eine ABS-Lösung steht damit dem Factoring sehr nahe, mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Refinanzierung der Zweckgesellschaft am Kapitalmarkt erfolgt. Zu diesem Zweck begibt die Zweckgesellschaft Wertpapiere an Anleger (vor allem institutionelle Anleger). Die Bedienung dieser Wertpapier (Securities) basiert ausschließlich auf dem Zahlungsstrom des Forderungsportfolios (Asset- Backed Struktur). Die Emission der Wertpapiere erfolgt entweder durch die Zweckgesellschaft direkt, zumeist aber mit Hilfe einer Investmentbank, welche die Papiere am Kapitalmarkt platziert. Die Anleihe wird in der Regel durch eine Rating-Agentur bewertet. Diese beurteilt in erster Linie die Qualität des quasi als "Sicherheit" dienenden Forderungsportfolios sowie die in die Transaktion involvierten Parteien einschließlich der Abwicklungsstrukturen. Die Verwaltung der in die Zweckgesellschaft übertragenen Forderungen wird in der Regel durch den Verkäufer (Originator) im Auftrag der Zweckgesellschaft übernommen. Die Übertragung der Rechte aus den Forderungen wird gegenüber den einzelnen Schuldnern nicht offen gelegt.

(Abbildung 1: Grundstruktur ABS Transaktion)

Welche Rahmenbedingungen sind zu beachten?

Die Umsetzung einer ABS-Transaktion setzt eine sehr sorgfältige Analyse und Prüfung der Rahmenbedingungen voraus. Die Strukturierung nimmt in der Regel einen längeren Zeitraum in Anspruch, welche entsprechende Kapazitäten im Unternehmen bindet. Mitnichten kann die Umsetzung einer ABS-Transaktion verglichen werden mit der Erschließung neuer Finanzierungsquellen durch Aufnahme eines neuen Finanzierungspartners, z.B. auf Basis eines Kontokorrentkredites. Die Umsetzung einer ABS-Transaktion ist sehr komplex, in der Strukturierung, wie auch in der Abwicklung. Sie eröffnet aber die Möglichkeit einer Diversifizierung in der Finanzierung des Unternehmens, weswegen der Aufwand allemal lohnend ist. Zunächst einmal sind die allgemeinen Zielsetzungen und Planungen des Unternehmens in Bezug auf die Auswirkungen auf der Finanzierungsseite sowie die mit den Transaktionen verbundenen Motive zu gewichten. Auch die Stabilität der bestehenden Finanzierungspartner spielt eine entscheidende Rolle in den Überlegungen.

ABS-Transaktionen sind mit weit reichenden steuerlichen, bilanziellen (Stichwort "true sale" – Prüfung der Bilanzierung der Transaktion) und rechtlichen Fragestellungen verbunden, die mit Hilfe von Anwälten und dem Wirtschaftsprüfer rechtzeitig aufgearbeitet werden müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die allseits knappen Ressourcen in der Strukturierung in die falsche Richtung gelenkt werden. Zu guter Letzt sollte dringend vor dem Abschluss einer Transaktionen, möglichst schon im Vorfeld der Aufnahme von Verhandlungen mit möglichen Transaktions-Partnern, analysiert werden, welche Auswirkungen die Umsetzung einer ABSTransaktion auf bestehende Finanzierungspartner sowie auf die Bilanz- und Finanzierungsstrukturen hat (siehe Abbildung 2).

(Abbildung 2: Rahmenbedingungen ABS)

Kosten- und Nutzenanalyse

Der Großteil der deutschen mittelständischen Unternehmen konzentriert sich bei der Fremdkapitalbeschaffung immer noch auf den traditionellen Bankkredit. Dabei bieten ABS-Lösungen einen weit reichenden Nutzen, der zumeist weit über den Effekt der Reduzierung von Zins- bzw. Finanzierungskosten hinausgeht (vergleiche Abbildung 3). Eine ABS-Transaktion ermöglicht in erster Linie eine entsprechende Diversifizierung der Finanzierungsquellen.

(Abbildung 3: Finanzierungsvarianten ABS)

 

Sie ermöglicht besonders dem Mittelstand den ansonsten erschwerten Zugang zum Kapitalmarkt. Speziell in Phasen des Unternehmenswachstums schont die ABS-gestützte Refinanzierung die Kontokorrentkreditlinien. Sie führt in der Regel zudem zu einer "Verkürzung" (*) der Bilanz (siehe Abbildung 4), was in der Konsequenz eine Erhöhung des Eigenkapitals in der quotalen Betrachtungsweise nach sich zieht, eine der "Achillesfersen" der Mittelstandsfinanzierung schlechthin.

(Abbildung 4: ABS Einfluss auf Bilanzstruktur)

 

ABS-Transaktionen sind mit einem weitreichenden Nutzen verbunden, der in "Hard-Facts" (Reduzierung von Finanzierungskosten / Optimierung der Risikoabsicherung) gemessen werden kann. Dem stehen teilweise nicht unerhebliche interne und externe Strukturierungskosten gegenüber. Auch die Kosten für eine allfällige – auf die Notwendigkeiten der Transaktion ausgerichtete – Umstellung des Debitorenmanagements sowie von EDV-Abläufen ist zu berücksichtigen. Neben den vorerwähnten "Hard-Facts" beeinflussen die auf den ersten Blick nicht messbaren "Soft-Facts" (Erschließung neuer Finanzierungsquellen / Optimierung von Bilanzrelationen) die Entscheidung für bzw. gegen die Umsetzung einer ABS-Transaktion in entscheidendem Maße.

Welche Schritte sind im Rahmen einer ABS-Transaktion zu berücksichtigen?

Die wesentlichen Schritte des Ablaufschemas einer ABS-Transaktion sind in Abbildung 5 übersichtlich dargestellt. Bei der Auswahl der Transaktionspartner muss neben der Analyse der Strukturierungs- und Finanzierungskosten vor allem auch auf die vom Ratingprozess vorgegebenen Risikobeschränkungen geachtet werden. In Bezug auf die Optimierung der Risikostruktur sollten entsprechende Enhancements (z.B. Einschaltung eines Abbildung 5 Kreditversicherers) frühzeitig geprüft werden. Ferner ist es empfehlenswert, bestehende Finanzierungspartner frühzeitig in die Überlegungen einzubeziehen, speziell dann, wenn bestehende Globalzessionen dem Abschluss einer ABS-Transaktion entgegenstehen. Zu guter Letzt sollten die internen Abläufe, inkl. der EDV Prozesse, rechtzeitig auf den Start der Transaktion ausgerichtet werden.

(Abbildung 5: Ablaufschema ABS)

FAZIT

ABS-Transaktionen sind Finanzierungslösungen mit einem weitreichenden Nutzen. Dem Mittelstand und der Industrie eröffnen sich mit dieser Finanzierungsform alternative Möglichkeiten für die Erschließung neuer Finanzierungsquellen am Kapitalmarkt. Infolge der weitreichenden Auswirkungen sollte die Umsetzung einer ABS Transaktion aber in allen Stufen gut durchdacht werden. (*) Auf die Behandlung der besonderen bilanziellen Fragestellungen (Stichwort: "true-sale"-Prüfung) wird in diesem Aufsatz verzichtet.

Für weitere Informationen steht Ihnen der Autor zur Verfügung

Eberhard Mangold
Mitgeschäftsführer der Steinbeis Finance &Management Services GmbH, ein Unternehmen der Steinbeis-Stiftung
Telefon: 07 11 / 25 35 95-14
mangold@steinbeis-finance.de.

 



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